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Zur Tour


Im März 1994 zog ich dann wieder mal die Islandkarten heraus und wanderte "mit dem Finger auf der Landkarte". Es war wieder da, das Islandfieber. Kartenlesen - in einer guten Karte kann man stundenlang schmökern. Nach meiner ersten Süd - Nord Durchquerung des Hochlandes auf der Kjölur Route im Sommer 1992 reizte nun natürlich der Sprengisandur, die zweite große Route über das Hochland. Eine lange und harte Strecke. Mein Freund Hans schließlich brachte die Route von der Askja am Nordrand des Vatnajökull entlang, über die Gęsavötn zum Sprengisandur, ins Spiel. Er war mit einer Exkursion diese Route gefahren und erzählte begeistert davon. Nun, die Askja war auch zu Fuß erreichbar und über den Sprengisandur dann wieder zurück in den Norden, auch das würde eine schöne Tour abgeben. Überraschender Weise war diese Schleife in etwa genauso lang wie der Weg von Skógar an der Südküste bis Akureyri im Norden. Allerdings führt diese Routeführung durch den extremsten Teil des Hochlandes. Der Landschaftscharakter der Route über den Kjölur war überwiegend von einer Tundra geprägt. Ódášahraun, die Missetäterwüste, und Sprengisandur sind dagegen Wüsten. In diesen Wüsten gibt es zwar einige wenige Oasen, aber keine Reiseliteratur vergißt Sand- und Schneestürme zu erwähnen. Lange schwankte ich, welcher der beiden Strecken ich den Vorzug geben sollte, aber schließlich entschloß ich mich für die Askja-Gęsavötn Tour. Ich kannte diesen Teil Islands nördlich des Vatnajökull, noch nicht und das Askjagebiet reizte mich schon lange.

Die Ausrüstung hatte sich schon das letzte mal bewährt, nur der alte Schlafsack und die Faserpelzjacke mußten ersetzt werden. Ansonsten noch ein paar Details wie ein Wassersack für zwei Liter als Zugeständnis an die "Wüste", leer wiegt er nichts und nimmt keinen Platz weg und voll erhöht er denn Wasservorrat auf vier Liter. Und als eine Lehre von der Lektion vom Fúlakvísl ein faltbarer Kaffeetrichter um Gletscherwasser abzufiltern. Dafür hatte ich zu viel Kleidung zum Wechseln dabei, also lieber öfter waschen und vor allem diesesmal die Handschuhe nicht vergessen. Zusätzlich eine Sturmhaube gegen Kälte und Sand und extra warme lange Unterwäsche falls es zwischendurch mal Winter wird. Dann noch eine kleine Änderung bei der Verpflegung. Bei einer warmen Mahlzeit am Tag waren die Riesenappetitsuppen zu einfach zu wenig also stellte ich auf zu zwei Dritteln auf gefriergetrocknete Trekkingmahlzeiten für 12 DM die Doppelpackung um. Zwei Packungen Spaghetti mit Instant Tomatensoße für Festessen an den Ruhetagen. Ansonsten die bewährten Tagesration bestehend aus einem Haferl Früchtemüsli mit Michpulver angerührt, drei Teebeutel, einer Scheibe Vollkronbrot, etwas Dosenwurst, drei bis vier Müsliriegel und Mineralbonbons für unterwegs und eine halbe Tafel Schokolade. Ach ja, und diesesmal richtigen Zucker und etwas Kaffeepulver. Die ultimative Trekkingnahrung Haršfiskur (Trockenfisch, leicht aber das Kraftfutter!) war in Island zu besorgen. Der Rucksack mit der gazen Ausrüstung und den Vorräten für 14 Tage wog dann auch wieder gut 27 Kilo, allerdings ohne Wasserbalast.

Die Planung der einzelnen Tagesetappen war diesesmal auch sorgfältiger. Alle drei bis vier Tage sollte es möglich sein nach Bedarf einen Ruhetag einzulegen. Der Zeitbedarf für die Tour lag dann bei etwa drei Wochen. Da ich maximal für zwei Wochen Essen mitschleppen kann mußte für die dritte Woche ein Freßpacket in Nżidalur bereitliegen. Die Hütten Dreki, und Nżidalur des Feršafélag Íslands unterteilen die Strecke in Teilabschnitte von 81, 110 und 102 Kilometer Länge. Auf der dritten Etappe liegt dann noch die Hütte Laugafell. An den Hütten gibt es Funktelephon für den Notfall und sie werden auch regelmäßig von Hochlandbussen angefahren. Ein Abbruch der Tour wäre von hier aus jederzeit möglich. Ob ich die nächste Teilstrecke gehen würde brauchte ich also erst unmittelbar vor Ort an eine der Hütten zu entscheiden. Dies war wichtig, da unklar war, ob die Strecke von Dreki nach Nżidalur Ende Juli überhaupt schon freigegeben sein würde. Normalerweise wird sie immer um diese Zeit eröffnet, aber je nach Schneelage kann sich dieser Termin bis weit in den August verschieben und im September kann ein früher Wintereinbruch wieder zur Schließung führen. Der Sommer 1992 war günstig gewesen, im Sommer 1993 dagegen lag im Hochland noch sehr lang viel Schnee. Anfang Juli rief ich bei Lene an die mir breichtete, daß im Tröllaskagi zwar noch viel Schnee liegen würde im Mżvatngebiet die Lage aber günstiger sein würde. Wie auch immer, der Urlaub war eingetragen und der Flug war gebucht. Alles weitere würde sich in Island ergeben.

Der Erste Abschnitt ging von der Ringstraße bei Möšrudalur über die Pisten F905 und F910 zur Kreppa und über die Brücke der Jökulsa á Fjöllum zur Hütte Dreki an der Askja.

Die Etappe von Dreki, über Laugafell nach Akureyri folgte dem Sprengindsleiš F28 bis zum Fjóršungsvatn (siehe auch Sprengisandur '98) und der F82 in das Eyafjaršardalur.