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3. Tag, Brattháls - Djúpavatn

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Copyright © Dieter Graser

Dienstag, 10. Juli 2001


Leichter Regen um 7:00 Uhr. Kein Grund zur Eile heute. Drehe mich um und schlafe weiter. Das Frühstück um 8:00 Uhr wird nur noch von leichtem Nieseln begleitet, das schließlich ganz aufhört. Um 10:00 Uhr ist alles gepackt und ich breche auf.

Quere das Tal zum Höf­i und dann hinauf zur Ostseite des Sandfell. Von dort quert der Weg (ja, es gibt nun einen erkennbarenWeg!) ein flaches Lavafeld hinüber zur Westseite des langezogenen Höhenrückens Núpshlí­arháls und zur Ruine Hraunsel. Der Weg muß schon früher bestanden haben, denn die flachen Basaltlagen sind von den Hufeisen der Pferde etwa 30 cm breit aber nur ein, zwei Zentimeter tief, doch deutlich erkennbar ausgetreten. Bei Gefälle findet man sogar richtige Stufen. Am Hangfuß des Núpshlí­arháls schöne, saftige Wiesen.

KeilirKeilir
Gegen 12:00 Uhr erreiche ich die Überreste der "Alm" Hraunsel, von Gras überwucherten Legesteinfundamente des Torfgehöfts. Mache Mittagspause und suche am Hang nach einer Quelle, denn wo ein Hof ist, da muß auch Wasser sein. In den Tiefenlinien am Hang wächst das Gras zwar üppiger, aber ich finde kein Oberflächenwasser. Ich gehe weiter, immer den Hangfuß entlang nach Nordosten. Im Norden steht die einsame Pyramide des Keilir. Mit einem halben Auge suche ich den Hang nach Hinweisen auf das Vorhandensein von Wasser ab. Die Hänge sind bis weit hinauf bewachsen, eine Seltenheit, also müßten sie auch Niederschlagswasser speichern können, der Beweis sind die Wiesen. Plötzlich höre ich es plätschern. Es kommt aus einem steilen Tälchen in dessen Grund ein auffälliger, etwa 2 m hoher, quaderförmiger Basaltblock steht. Es ist nicht viel, aber immerhin finde ich hier zum ersten mal Wasser! Es schmeckt herrlich. Ich lösche meinen Durst und fülle noch meine Flasche auf. Hier begegnen mir auch 2 Damen mit Hund, die auf einer Tagestour sind. Bis zum Spákonuvatn sind es noch 2 Kilometer. Den steilen Anstieg gehe ich sehr langsam an. Es sind 200 Höhenmeter bis zu den Seen und noch mal 50 bis zum Paß. Trotz schwerem Rucksack kein Problem - ich habe meinen Rythmus gefunden und bin jetzt, am dritten Tag, auch wieder "in die Gänge gekommen".

PassPaß
Von der Paßhöhe habe ich einen einzigartigen Ausblick nach allen Seiten und ich lege eine lange Pause ein. Über die Seen hinweg ist die ganze Küste von Reykjavík bis Keflavík zu überblicken und im Norden leuchtet im leichten Dunst die flache Pyramide des SnŠfellsjökull. Auf der anderen Seite des Passes öffnet sich ein Tal in dessen saftig grüne Hänge sich ockerfarbenen Lehmreißen geschnitten haben. Eindeutige Hinweise geothermale Aktivität.

PassSveifluháls
Die schnell von Nordosten herziehenden Wolken lassen die Sonne wie einen Scheinwerfer immer andere Teile der Szenerie beleuchten oder nehmen sie in dunkle Schatten zurück. Beim Abstieg Tiefblick auf den bisher verdeckten See Djupavatn und auf die Hütte an einem perfekt mäandrierendem Bach, in einer tiefgrünen Wiese. LŠkjavellir, die "Bachebene", heißt dieser idyllische Fleck.

LŠkjavellirLŠkjavellir

Die Hütte, baugleich mit der am Ůórbjörn, ist verschlossen. Das Wasser am Waschbecken und den Toiletten ist ebenfalls abgestellt. Neben der Hütte ein mit großen Steinen abgegrenzter Parkplatz, der durch die Piste 428 erreichbar ist. Die Wasserversorgung ist hier durch den nahen Bach jedoch kein Problem. Baue mein Zelt auf der Wiese neben der Hütte auf und döse in der durch den Zelteingang fallenden Sonne. Nach dem Abendessen besteige ich noch den hinter der Hütte liegenden Berg und habe einen schönen Blick auf den Djúpavatn. Von oben entdecke ich ein gut einen Kilometer nördlich der Hütte stehendes Zelt. Bin neugierig und besuche dann meinen Nachbarn. Dieser entpuppt sich als Joachim M. aus Köln, Ruheständler und Alleinreisender. Er ist die Kette des Sveifluháls entlanggewandert und möchte weiter über den Reykjavegur bis zur "Blauen Lagune". Wir unterhalten uns lange vor dem Zelt sitzend, aber schließlich wird es doch zu kühl und ich kehre zu meinem Zelt an der Hütte zurück. Wasche mich noch im See und verkrieche mich dann im Schlafsack. Noch bis 22:50 Uhr an den Aufzeichnungen.


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4. Tag , Djúpavatn - Kaldársel