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29. Tag, Hitulaug - Öxnaldalsdrög

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Copyright © Dieter Graser

Samstag, 5. August 2001


Früh wach. Gestern Abend meinte ich schon leichte Schmerzen im Grundgelenk der rechten großen Zeh verspürt zu haben. Schlimme Erinnerungen an letztes Jahr kommen hoch. Scheiße, jetzt bloß keine Entzündung! Ich krame in meine Apotheke und ergreife erste Gegenmaßnahmen. Der Fuß tut nicht besonders weh, aber immerhin, aber hier habe ich einen Schwachpunkt. Alle Warnlicher blinken. Wie weiter? Erstmal wie geplant zurück zur Hauptpiste und sehen ob es mich behindert und wie es sich entwickelt. Ich befinde mich dann zwar nicht gerade auf der Hauptstraße, aber schließlich ist Verslunamannahelgi und damit müßte mit Verkehr zu rechnen sein.

Beim Anziehen noch mal den Fuß untersucht. Nur der Rist ist druckempfindlich, aber nicht das Grundgelenk. Der Schmerz hat ausgestrahlt und war nicht so genau zu lokalisieren. Fehlalarm? Einerseits bin ich nun etwas beruhigt, aber werde ich gut gehen können? Start erst um 8:40 Uhr. Noch bei der isländischen Familie vorbeigegangen und mich für mein Verhalten gestern entschuldigt. Wurde noch eine freundliche Unterhaltung und ich fühle mich jetzt etwas besser. Dann zügig nach Osten den Hang hinauf um auf der anderen Seite des Höhenzuges wieder auf die Piste zu stoßen. War doch weiter als ich gedacht habe.

Dyngjufjallaleiš
Die Piste führt auch gleich in ein böses Lavafeld. Zunächst empfinde ich das noch als abwechslungsreich, aber dann wird es zunehmend zum Gegurke. In vielen Windungen geht es bergauf, bergab, manchmal auch zurück nach Süden und meinem Gefühl nach sowieso zu weit nach Osten. Aus jedem Kilometer werden anderthalb wenn nicht sogar zwei. Etwas frustriert nehme ich mit dem GPS ein paar Wegpunkte und stelle fest, daß die aus der Karte ermittelten mindestens zwei Kilometer weiter westlich liegen. Ich komme nur zögerlich nach Norden voran. Anfangs konnte ich noch ohne Faserpelzjacke gehen, aber mit einem aufkommenden, frischen Lüftchen ist es ohne Jacke zu kalt und mit zu warm. Zwischen den Reifenspuren auf der Piste sind immer mal wieder die Spuren von zwei, von Norden kommenden, Mountainbikes zu sehen. Ein ein paar Stellen finde ich relativ frische Stiefelabdrücke. Pünktlich in die Mittagspause platzt ein erster, kurzer Regenschauer. Kaum habe ich mich regenfest gemacht, schon hört es wieder auf - Island!

Trölladyngja
Am Nachmittag habe ich die Lavafelder hinter mir. Die Piste richtet sich nach Norden, ich habe endlich den Eindruck voran zu kommen und die Moral steigt beträchtlich. Ach, ja - keine Probleme mit dem Fuß mehr. Die Schmerzen sind einfach weg. Weiß der Teufel was das war. Ich habe ein waches Auge auf die vereinzelten Wasserstellen, wie und wo sie entspringen. Seit Stunden beobachte ich auch im Nordwesten ein kleines, aber massives Regengebiet. Mein Weg wird mich bedenklich nahe daran vorbei führen. Seltsamerweise sind die Regenwolken nahezu ortsfest, obwohl sich der Bodenwind auf Südwest eingependelt hat. Schließlich erwischt es mich doch, wenn auch nicht so heftig wie befürchtet.

Um 15:30 Uhr erreiche ich ein Gebiet in dem, der Karte nach, einige kleine Zuflüsse der Öxnadalsá entspringen. Ein kleines Seelein am Ende eines Lavastromes kommt mir gerade richtig. Genug für heute! Wenige Meter neben der Piste baue ich mein Zelt auf einem feinen, aber festen Kiespflaster auf. Jeder Zelthering wird mit einem schweren Stein gesichert. Übrigens habe ich heute nur ein einziges Auto auf der Piste gesehen! Eine Stunde gedöst. Wechsel zwischen Sonne und Regen. Batterien im GPS gewechselt. Der erste Satz hat genau 4 Wochen durchgehalten! Abendessen mit einer kleinen (!) Portion Mousse au Chocolat abgerundet. Danach an den Aufzeichnungen. In einer Regenpause unternehme ich einen Abendspaziergang. Ein deutsche Reisegruppe kommt mit 2 Kleinbussen mit Anhängern vorbei. Kurzer Schwatz - dann fahren sie weiter - sie wollen heute noch nach Nżidalur. Habe immer weniger Verständnis für diese Hetzerei.

Interessanter Platz hier. Unterhalb der Piste Piste findet sich eine Treppe von keinen Wasserbecken, die durch Mooswülste gebildet werden. Oberhalb der Piste entdecke ich die schönsten Stricklaven, die ich in Island gesehen habe. Dicke Tropfen treiben mich wieder ins Zelt. Aufzeichnungen fortgesetzt. Jetzt, am späten Abend, doch noch einige weitere Fahrzeuge auf der Piste.


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