5. Tag, Skálafellsjökull

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Copyright © 2004 Dieter Graser

Donnerstag, 1. Juli 2004


Höfn
Gut im großzügigen Lager unter dem Dach der Hütte geschlafen. Um 6:00 Uhr macht das Wetter einen ganz passablen Eindruck. Döse aber noch weiter bis um 7:00 Uhr. Unten im Gastraum ist das Frühstücksbuffet schon für mich aufgebaut. Unterhalte mich noch mit Björgvín dem Koch. Übernachtungsgäste sind hier eher selten. Das Hauptgeschäft wird mit den Superjeep- und Snowscootertouren gemacht. Borgar läßt es sich nicht nehmen und fährt schnell auf den Gletscher hoch: "I will check the conditions for you". Als er zurückehrt meldet er "... looks good, all up on the glacier you can see a blue stripe". Ein blauer Hoffnungsschimmer? Na dann mal los, schließlich bin ich nicht zum Frühstücken hier! Ich begleiche meine Rechnung mit der Kreditkarte und bemühe mich nicht den Betrag in Euro umzurechnen.

Als erstes schultere ich die vollbeladene Pulka und schleppe sie die etwa 200 m von der Hütte bis zum Gletscherrand. Dann hole ich noch den Rucksack und die Ski. Ich ziehe die Felle auf die Ski, hänge das Gestänge in die Pulka ein und befestige den Zuggurt. Lege noch schnell den Photo für ein Startbild per Selbstauslöser auf den Sitz eines der hier abgestellten Snowscooter und schirre mich dann an.

Aufbruch
Um 10:30 Uhr setze ich mich in Bewegung. Der Widerstand der Pulka bestätigt meine Befürchtungen hinsichtlich ihres Gewichts. Erst mal geht es bergauf. Ein schöner, langer Hang. Der "Haushang" der Hütte sozusagen. Der Schnee ist schmutzig von eingewehtem Staub und weich. Langsam zickzacke ich mich hinauf. Nach einer Viertelstunde nimmt die Steigung ab und die Hütte verschwindet hinter einer Hangwölbung. Hundert Meter Blankeis müssen gequert werden, dann kommt wieder grobkörniger Altschnee. Ich finde meinen Rythmus schneller als gedacht und im Flacheren ist die Pulka deutlich besser zu ziehen. Lange her, daß ich das letzte mal mit ihr unterwegs war. Borgar überholt mich mit einer Meute Snowscooter-Touries. Auf einem langen Flachstück komme ich gut voran. Mein Laune wird aber durch das Wetter getrübt. Leichter Regen setzt ein. Ich spekuliere darauf, daß er wieder aufhört, aber er tut mir den Gefallen nicht. Die östlichen Randberge des Skálafellsjökull verschwimmen hinter weißlichen Regenschleiern. Trotz Anorak wird es ungemütlich naß, was nicht durchsuppt schwitze ich von innen. Es regnet sich ein. Das ist wirklich noch nicht der erwartete Wetterumschwung. Auf dem Plateau nach dem nächsten, flachen Aufschwung reicht es mir. Ich hänge mich aus dem Zuggeschirr, trete mit den Ski einen Platz für das Zelt fest und gerade mal zwei Sunden nach meinem Aufbruch baue ich mein Zelt auf.

Jetzt ist Geduld gefragt. Daß ich das Zelt gestern Früh tropfnaß eingepackt habe, macht den Kampf gegen die Feuchtigkeit auch nicht einfacher. Beim Schneeschmelzen verbreitet der Primus angenehme Wärme im Zelt und die Faserpelzklamotten beginnen zu dampfen. Ich versuche sie möglichts lange am Körper zu trocknen. Der Anorak liegt in auf der Pulka, die quer in ihrer Garage in der Luv-Apsis parkt. Später ziehe ich mich in den Schlafsack zurück und pflege ein Nachmittagsschläfchen begleitet von steten Trommeln des Regens.

Skálafellsjökull
Gegen Abend einzelne Regenpausen. Koche mir ein Chili con Carne. Um 19:00 Uhr kommt Borgar noch einmal mit dem Scooter vorbei und hat mir zur Aufmunterung einen Schokoladenriegel mitgebracht. Er ist allein. Seine letzte Fuhre des Tages, japanische Touristen, traut sich nicht schneller als Schritttempo zu fahren und wartet zwei Kilometer weiter unten. Bin mir nicht sicher ob er glaubt, daß ich mein Vorhaben schaffen werde. Laut GPS habe ich heute gerade mal vier Kilometer geschafft. Immerhin bin ich nun auf dem Gletscher unterwegs und ein, wenn auch kleines Stück, vorangekommen. Die Temperaturen lagen heute tagsüber bei + 3C und jetzt messe ich im Zelt + 1C. Werde noch etwas lesen.


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