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2. Tag, Ringstraße - Búland

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Copyright © Dieter Graser

Samstag, 17. Juli 1999


Um 6:00 piepst der Wecker. Das Wetter ist trocken - kein Wind. Skır und einen Müsliriegel zum schnellen Frühstück. Zusammengepackt und mit gut 40 kg beladen zum Taxistand. Am BSÍ Busterminal dann meine vorbereiteten Packete nach Landmannalaugar und Nıidalur aufgegeben und eine Tasche mit einem Satz frischer Kleidung für den Abend vor meinem Rückflug und für diesen selbst in Aufbewahrung gegeben. Um 8:30 Uhr dann Abfahrt mit dem Austurleiğ-Bus auf der Ringstraße der Südküste entlang nach Osten. Auf der Fahrt die üblichen Kaffeepausen in denen ich Stück für Stück mein Frühstück nachbessere. Irgendwie habe ich meine Ankunftszeit falsch berechnet oder einfach nur von einer früheren Reise kopiert aber nicht entsprechend meinem Ziel geändert. Um 11:30 Uhr sind wir noch in Skógar und nicht schon an der Abzweigung zum Fjallabaksleiğ. War wohl etwas nachlässig. Ab Hella hat sich das Wetter nach Osten zu zunehmend verschlechtert und bei Vík (Mittagspause) jagen die Wolken fast aufliegend über das Meer heran und der Wind rüttelt am Bus. Habe ich Vík eigentlich schon einmal bei einem anderen Wetter erlebt? Endlich geht es weiter. Irgendwo im Mırdalssandur passen Straßenverlauf und Karte nicht mehr richtig zusammen. Beim (dritten) Stop an einer einsamen Straßenkreuzung steht ein Schild "Landmannalaugar". Ich frage den den Fahrer, ob ich hier aussteigen müssse? Ach ja, er hat mich ganz vergessen. Ich zeige ihm meine Karte und erkläre ihm, daß wir dann aber kurz vor der Abzweigung über eine Brücke hätten kommen müssen. Nein, nein, ich wäre schon richtig hier, die Straße ist vor ein paar Jahren verlegt worden! Na ja, dann also raus mit dem Rucksack aus dem Gepäckraum und schnell das Regenzeug ausgepackt.

Plötzlich stehe ich also, träge und müde wie man es eben nur nach einer fünfstündigen Busfahrt sein kann, ausgesetzt und allein am Straßenrand. Der Bus verschwindet im Srühregen. Unermüdlich ziehen tiefe, naße Wolken über das Eldhraun gegen die Berge. Aufbruchseuphorie? Glatte Fehlanzeige! Wie üblich bin ich erst mal in einem Stimmungstief und Motivationsloch. Vor mir liegen, wenn es nach meinem Plan geht, 400 km Hochland zu Fuß. Zuerst einmal mache ich ein Startphoto und stelle mich vor dem großen Schild an der Kreuzung in Pose - Cheeeeeeese! Nach meinem GPS befinde ich mich 4,4 km südlich von meinem geplanten Ausgangspunkt - Luftlinie. Nach dem Schild sind es 6 km. Darüber hinaus bin ich auch noch 2 Stunden später dran als vorgesehen. Nein, meinen geplanten Übernachtungsplatz werde ich heute wohl nicht mehr erreichen. Was für eine toller Auftakt! Macht nichts. Ich werde bis 18:00 Uhr gehen und mir dann einen günstigen Platz suchen. Schließlich sind Pläne dazu da, kontrolliert über den Haufen geworfen zu werden.

Ringstraße

Also los! Der Rucksack ist erträglich und die Straße gut. Ab und zu verstärkt sich das Nieseln zu richtigen Tropfen, dafür läßt der Wind etwas nach. Jede Steigung verschafft mir eine GoreTex-Sauna. Erst verzichte ich auf die Überhose und dann auch auf den Anorak. Hinter dem Hof und Kirche von Gröf, nach der Abzweigung zum Fjallabaksleiğ syğri, ein langer aber flacher Anstieg. Dann in ein paar weiten Kurven hinunter zum Hof Hvammur. Das Wetter wird immer freundlicher und die Sonne zeigt sich. Die wenigen Kilometer haben ausgereicht Streß, Depression und Selbstzweifel zurückzulassen. Langsam kommt es wieder zurück, das Gefühl für den Weg, das Land, die Luft und einfach für das Unterwegssein. Ich bin glücklich.

Es ist noch nicht ganz 18:00 Uhr, ich bin ein Stück hinter Hvammur. Búland, der letzte Hof ist schon in Sicht, da kommt von links ein klarer Bach aus einem einladenden, kleinen Tälchen das mit einem schmalen Wasserfall abschließt. Für heute soll es genug sein. Etwa 100 m bachauf ist ein schöner flacher Wiesenplatz für mein Zelt. Nach dem Essen die Aufzeichnungen nachgeholt. Heute Nachmimttag waren auffallend viele Vogelstimmen zu hören, fast wie im Dschungel. Jetzt ist es herrlich ruhig, nur der Bach gluckst neben dem Zelt und in einiger Entfernung pritschelt dort oben der kleine Wasserfall. Es ist gegen 21:00 Uhr und mir fallen beim Schreiben die Augen zu. Habe Nachholbedarf.


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3. Tag Búland - Hólaskjól