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5. Tag, Halldórsdalur - Landmannalaugar

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Copyright © Dieter Graser

Dienstag, 10. Juli 1999


am frühen Morgen

Muß um 3:00 Uhr mal raus. Es ist kur vor Sonnenaufgang und im Nordosten verfärbt das Morgenrot die lockeren Wolken. Ich schnappe mir meinen Kamera, das Stativ, die Bergschuhe und breche zu einem kleinen Photospaziergang auf. Steige hinter dem Zelt den Hang hinauf und beobachte den langsamen Wechsel der Beleuchtung und der Farben. Die letzte Wolkenfetzen hängen an den Bergen, die noch lange, blaue Schatten werfen. Die Schneefelder werden rosa und beginnen zu leuchten. Das Grün der Moospolster wird vollends unwirklich. Vollkommene Stille herrscht. Als winziger Zuschauer sitze ich an diesem Berghang und betrachte das Schauspiel. Es ist wieder einmal einer dieser "magischen" Momente die alleine schon die Reise gelohnt hätten. Nach einer halben Stunde kehre ich wieder in meinen Schlafsack zurück und schlafe noch bis 6:00 Uhr weiter.

Das Wetter hat sich seit gestern wirklich gebessert und um 8:00 Uhr bin ich wieder auf der abwechslungsreichen und sonnigen Piste. In einer Stunde etwa rechne ich mit dem ersten Verkehr aus Richtung Landmannalaugar. Wie üblich werden es 2 - 3 Busse sein die zum nächsten Highlight hetzen müßen. Kurz vor dem Kirkjufell Blick einen kurzen aber steilen Hang hinunter in das Tal Illagil, in dem die Piste wieder zu sehen ist. Ich spare mir den Umweg und steige direkt in das Tal ab.

Illagil

Unten am Fluß, die vielphotographierten, parallel geschwungenen Erosionsformen im verfestigten, schwarzen Lavasand. Kurz darauf die erste nennenswerte Furt im engen Tälchen, das sich dann wieder zu einem weiten Talboden öffnet. Nach links geht es zum Kirkufellsvatn. Auf der anderen Talseite komme ich dann an die auch in der Karte eingezeichnete Furt am Kirkjufell. Das zweite Fußbad heute. Am anderen Ufer setze ich mich auf ein Moospolster und mache eine kleine Sonnenpause. Das Wandern ist heute Morgen der reinste Genuß. Dann ein über einen kleinen Rücken hinweg und unter dem Kirkjufell entlang weiter nach Westen. Nun ist doch ein frischer Nordwestwind aufgekommen und die ebene, nun weniger abwechslungsrteiche Straße zieht sich - wie so oft auf den vermeintlich "kurzen" Etappen.

Illagil

Nach der Karte macht die Piste nun einen weiten Bogen nach Norden, um einen Berg herum, während Landmannalaugar selbst westlich und nur in 3 Kilometer Entfernung liegt. Genau aus dieser Richtung kommt eine kleine Reitergruppe aus einem Seitental und schwenkt dann auf die Piste nach Norden. Aha! An der Mündung des Tales angekommen steht dort ein Schild "Für Jeeps verboten" - also Pferde und Fußgänger erlaubt. Es ist der alte Weg der mir über den niederen Paß der Kżlingarskarš den ganzen nördlichen Umweg erspart. Erst mal bin ich froh von der etwas langweiligen Piste weg zu sein, auch wenn ich dadurch nicht die Brücke benutzen kann. Dafür stehe ich dann unmittelbar vor Landmannalaugar - aber auf der falschen Seite des Jökulgilskvísl und muß mir erst mal eine geeignete Stelle zum Furten suchen. Inzwischen ist auch die Reitergruppe von Norden her auf meiner Flußseite eingetroffen und sie machen sich zügig ans Furten. Die Reiter müssen die Füße weit anheben um nicht naß zu werden, also ist es an dieser Stelle für mich schon fast zu tief. Weiter oberhalb ist es günstiger, aber selbst dort geht mir das Wasser bis weit die Oberschenkel hoch. So, nun noch über den Damm und ich stehe auf den Zeltplatz von Landmannalaugar.

Kżlingarskarš

Ich richte mich dort erst mal ein und wasche dann meine Klamotten, daß sie bei dem schönen Wetter noch genug Zeit zum trocknen haben. Danach ein Bad im hinlänglich bekannten warmen Bach von Landmannalaugar. An der Hütte zahle ich meine Übernachtung und hole mein vorausgeschicktes Freßpaket ab. Oh jeh - morgen habe ich 6 kg mehr im Rucksack - da wird nicht nur der Platz knapp! Habe Zeltnachbarn bekomen, die mit dem Bus eingetroffen sind und morgen den Laugarvegur beginnen wollen. Beide steigen schon mit angelegten Gamaschen aus dem Bus aus. Er mir breitkrämpigen Lederhut und einem Riesenfahrtenmesser á la Crocodile Dundee am Gürtel - werde Sinn und Zeck dieser Dinger (zumindest in Island) wohl nie kapieren. Kleiner Spazierang zum "Coffee-Shop-Bus" und dort eine gebeizte Forelle und ein, zwei Bierchen gekauft. Als Hauptgang zu dieser Vorspeise gibt es wieder mal Risi-Bisi. Irgendwie nervt mich der Lärm und der Trubel auf dem Zeltplatz. Nach dem Esen an den Aufzeichnungen. Werde noch ein Abendbad nehmen. Bis 21:30 Uhr im warmen Wasser gedümpelt - leider hatten noch viel andere außer mir, die selbe Idee. Danach vor dem Zelt noch lange mit einem jungen Schweden geratscht, der in Reykjavík zwei Semester Geophysik studiert hat.


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6. Tag Landmannalaugar - Sigalda