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15. Tag, Nıidalur

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Copyright © Dieter Graser

Freitag, 30. Juli 1999


Ruhetag! Bis 8:00 Uhr ausgeschlafen, dann faul vor dem Zelt in der Sonne gelegen und gelesen. Nur die 3 Motorradler aus Bad Ems sind noch da und machen sich langsam zum Aufbruch fertig. Sie wollen am Nachmittag noch nach Landmannalaugar. Ach ja - ich muß erst mal nachrechnen und stelle dann fest, daß ich mir für diese Strecke 8 Tage Zeit gelassen habe - aber was für 8 Tage! Ich hole die Aufzeichnungen von gestern nach und lese in "Sofies Welt" bis etwa gegen Mittag. Es hat bei leichtem Wind gut und gerne über 20 °C und die einzige Veränderung des Wetters gegenüber gestern sind ein paar dünne Cirren am Himmel. Dann einen Besuch bei Hilma und Marinó den sympatischen Hüttenwarten, welche die Hütte von dem gestrigen Ansturm wieder aufgeräumt haben. Alle Gäste sind inzwischen wieder nach Norden oder nach Süden verschwunden und erst im Laufe des frühen Nachmittags werden wohl die ersten neuen eintreffen. Die Gruppe von gestern Abend hat noch viel vom Lammbraten übriggelassen. Ich soll soviel davon essen, wie ich mag meint Hilma. Mjamm!

Hilma und Marinó

Nachmittags dann wieder gelesen. Später bei Landsbjörg angerufen und mitgeteilt, daß ich gut in Nıidalur angekommen bin - also alles ok. Ein neuer Ford Geländewagen mit einer Nummer aus den neuen Bundesländern wird angeschleppt. Der Wagen hat an der Furt von Tómasarhagi ebenfalls Wasser angesaugt und sich dabei ordentlich verschluckt. Fahrer und Beifahrerin sind ziemlich verzweifelt, da die Kiste sich weigert auch nur irgendeinen Mucks von sich zu geben. Die nächste Werkstatt ist ca 150 km weiter im Süden und gerade beginnt "Verslunmannahelgi", das berühmt, berüchtigte lange, erste Augustwochenende. Ganz Island macht jetzt Kurzurlaub und vor Dienstag geht jetzt gar nichts mehr. In Nıidalur nutzt auch der ADAC Auslandsschutzbrief nicht mehr viel. Sie malen sich schon düster aus, wie sie ihr Fahzeug vom Hochland wohl bis zur Fähre in Seyğisfjörğur bringen können. Bespreche mit Marinó meine Pläne über die Şjórsáver und Şjórsádalur nach Süden zurück zu wandern.

Nıidalur

Mache einen Spaziergang zu einem Wasserloch etwa einen Kilometer westlich der Hütte. Marinó gab mir den Tip und meinte, die Sonne müßte das Wasser genug aufgeheizt haben. Leider ist der Waserstand in dem etwa 5 m breiten Sandloch aufgrund der trockenen Witterung der letzten Tage zu niedrig. Der kleine See etwas weiter westlich hat etwa 100 m im Durchmesser und ist sehr flach (knietief). Durch seinen dunklen Sandboden hat er sich auf etwa 18 °C aufgewärmt. Immerhin reicht es, um sich flach ins Wasser zu legen. Hungrig zurück koche ich mir eine Riesenportion Spaghetti. Danach überprüfe ich meine wieder mal bedrohlich angewachsenen Vorräte und fülle Milchpulver, Zucker und Müsli auf. Deponiere dann noch etliches, was ich glaube zuviel zu haben, zum allgemeinen Gebrauch in der Küche der Hütte. Von den Mineralbonbons bekommt der einzige Biker (ein Holländer) auf dem Zeltplatz den Rest der Packung. Was jetzt noch übrig ist werde hoffentlich in den Rucksack pressen können.

Nach 21:00 Uhr versuche ich in Dæli bei Lene und Óskar anzurufen, aber es geht niemand ans Telephon. Um die geöffnete Motorhaube des liegengebliebenen Fords haben sich etliche Isländer versammelt und sparen nicht an tatkräftiger Hilfe und am Einsatz des eigenen Werkzeugs. Von Marinó ragen nur die Beine unter dem Wagen hervor. Über den für isländische Furten viel zu tief liegenden Luftansaugstutzen meint ein Isländer kopfschüttelnd: "... like a vacuum cleaner" (wie ein Staubsager)! Zurück zur Zeltwiese muß ich feststellen, daß inzwischen 15 isländische Geländewagen eingetroffen sind und die Familenclans sich zur würdigen Feier des Verslunmannahelgi rüsten. Mein etwas abseits stehendes Zelt dient zwischendurch fünf von ihnen als quasi natürliches Hinderniss beim Golfspielen! Zu einem späteren Zeitpunkt, den man bürgerlich als "gegen Mitternacht" bezeichnen kann, befinde ich mich (nun aber im Zelt) inmitten eines Fußballmatches - Kids gegen Papis. "Şağ bláa tór!" ruft einer - wie bitte? Auf das blaue Tor??? Nachdem zum zweiten mal der Ball mein ansonsten sturmerprobtes Zelt trifft, wird es mir zuviel und ich lasse einen Schrei nach draußen. Wobei mir von dort trocken bedeutet wird, ich solle doch etwas toleranter sein! Na ja - ist wohl alles relativ, aber vielleicht bin ich einfach etwas intolerant geworden, wenn es um meine Ruhe geht. Beende meine Aufzeichnungen gegen 23:30 Uhr, da es nun im Zelt doch etwas zu dunkel wird und versuche es mit Lärmstop.


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16. Tag Nıidalur - Hámıri