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2. Tag, Reykjavík - Egilsstašir

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Copyright © Dieter Graser

Freitag, 15. Juli 1994


Campingplatz Reykjavik 7:40 Uhr, 11°C, 8/8 Strat. Cumulus, leichter Westwind mit leichten Regenschauern. Schreibe im Tagebuch. Wie befürchtet sind nicht nur die Heringe sondern auch noch sechs Diafilme in der kleinen Reisetasche im München geblieben. OK, also bei neun verbleibenden heißt es mit Bedacht photographieren!

Am Vormittag erst mal mit dem Bus ins Zentrum gefahren und Geld gewechselt. Dann zum BSI dem Busterminal und nebenan im Camping und Sportgeschäft Heringe und Gas gekauft. Zehn normale Heringe und zehn Sandheringe - nur die gute, schwere Ware. Der Verkäufer versichert mir, daß man in Island nur ganz stabile Ausführungen gebrauchen könne, deshalb führe er nur diese schweren Modelle. Was bleibt mir übrig? Wenigsten sind die Sturmleinen aus Baumwolle und keine Eisenketten. Dann schräg gegenüber zum Busterminal und meinen kleinen Rucksack mit Verpflegung und Gas für eine Woche aufgegeben. Der Brief an die Betreuer der Hütte in Nżidalur hängt außendran. Etwas Ratlosigkeit bei dem jungen Angestellten - nach Nżidalur? Ein älterer kam hinzu und meinte, ja ja, das ginge in Ordnung, sie würden es dann einem der Hochlandbusse mitgeben. Ich zahle einen geringen Betrag und hoffe daß mein Futter auch wirklich ankommt.

Zurück zum Campingplatz, das Zelt war zwischenzeitlich doch nicht weggeflogen, und es gleich mit den neuen Heringen gesichert. Im Büro des Platzwärters hängt ein Brief von Josef an der Wand, er befindet sich zur Zeit in den Ostfjorden, also Augen auf in Egilstašir! In der Bäckerei nebenan dann erst einmal einen Kaffee und eine Schnecke gefrühstückt, immerhin ist es schon halb elf und der Magen hängt mir in den Kniekehlen. Einem guten Brauch zufolge will dann der Pflichtbesuch im Schwimmbad erledigt sein und Schwimmen macht dann auch schon wieder hungrig. Das Restaurant neben der Bäckerei hatte ich schon vorher ins Auge gefaßt und mit Fisch liegt man in Island sowieso immer richtig.

Ohne Hast das Zelt abgebaut und mit dem Taxi zum Flughafen von Reykjavik zum Nachmittagsflug nach Egilsstašir. Nach der Karte führt die Flugroute am Nordrand des Vatnajökull entlang also ziemlich genau auf meiner geplanten Route. Ich hoffte daß ich etwas von dem Gebiet zu sehen bekommen würde. Zumindest müßte die Schneelage erkennbar sein. Am Anfang ist noch recht gute Sicht Mosfellsheiši, Žingvallavatn, Laugarvatn und im Haukadalur sind das Hotel und sogar das hellen Sinterflächen des Geysir zu erkennen. Da war auch meine "alte Route" - auch die Hvitá mit der Gischtfahne des Gullfoss! Dann schließt sich die Wolkendecke unter dem Flugzeug und gibt nur noch einmal kurz den Blick auf die Žjórsá frei. Im Landeanflug über dem langen See Lagarfljót fliegen wir durch einige Regenschauer.

Am Flugplatz in Egilsstašir starker Regenschauer bei Nordostwind, also nehme ich ein Taxi für die zwei Kilometer bis zum Campingplatz. Schöner Platz und auch der Regen machte bald Pause. An der ESSO Tankstelle 4 Kartuschen Gas gekauft. Wieder ein kräftiger, aber kurzer Schauer. 20:30 Uhr, im "Restaurant" bei der Tankstelle für 1050 kr ein Hendel gegessen und im Supermarkt noch Haršfiskur, Hangikjöt, Milch, Skżr und Pripps gekauft. Anschließend Spaziergang zu einem Vermessungspunkt ca. 50 Höhenmeter oberhalb des Campingplatzes. Am höchsten Punkt des Felsrücken befindet sich eine Säule mit einer Kupferplatte mit den Orts- und Bergnamen des Panoramas sowie der Nordrichtung. Noch mal zum Zelt zurück und Bussole und Karte geholt. Die Peilungen ergaben eine Mißweisung von 12°. Es ist mir eine Beruhigung einen sicheren Wert zu haben. Um 22 Uhr ist es windstill und wolkenlos - sitze noch in der Sonne und trinke ein Pripps.