5. Tag, Hellisá - Laki

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Dieter Graser © 2006

Donnerstag, 20. Juli 2006


Hellisá
In der Nacht Nieselregen. Um 6:00 Uhr tröpfelt es noch weiter auf das Zelt. Einem Reflex folgend ignoriere ich den Wecker und schlafe noch eine Runde weiter - schließlich ist man im Urlaub. Eine dreiviertel Stunde später immer noch leichtes Nieseln. Ein Blick nach draußen zeigt hohe Wolken zwischen denen etwas blauer Himmel durchspitzt. Na bitte, sieht doch deutlich besser aus. Während des Frühstücks kommt sogar die Sonne heraus. Aufbruch um 8:50 Uhr.

Mřrdalsjökull
Es ist warm. Ich gehe ohne Jacke, die Hemdärmel hochgekrempelt. Etwa 1 km ist es über den breiten Talboden bis zur eigentlichen Furt der Hellisá. Der Bach ist nur wadeltief, dafür aber breit. Dann über einen kurzen Anstieg aus dem Tal heraus und über eine weite Ebene flach dahin. Es läuft. Das Wetter ist bestens und ich kann Kilometer machen. Der Weitblick bietet links den Mřrdalsjökull, rechts den Sí­ujökull und voraus erkenne ich Uxartindur und Sveinstindur. Um den Hvannadalshnúkur ziehen ein paar Wolken. Sogar der Pállsfjall ist als dunkler Klotz im Eis des des Vatnajökull deutlich sichtbar. Komme gut bis zum Aufstieg auf den Höhenzug Gjalti voran. Hier muß ich eine paar Gänge herunterschalten. Im Aufstieg überholt mich der einzige Bus des Tages. Kann mich in anerkennenden Blicken baden.

Rast
Auf dem langestreckten Plateau des Gjalti mache ich Mittagspause. Sitze an einen Stein gelehnt im sonnendurchwärmten, weichen Moos und döse ein wenig vor mich hin. Beim Abstieg vom Gjalti habe ich einen schönen Blick auf die langezogen Kraterreihe der Lakagígar und das vollkommen mit grauem Moosfilz überzogene Lavafeld Eldhraun. Hier ist also die Quelle des größten, in historischer Zeit entstandenen, Lavafeldes der Erde. Man ist versucht sich vorzustellen, welches Schauspiel sich einem Betrachter von dieser Stelle geboten haben könnte, als ein 20 km lange Kraterreiche eine Wand aus Feuer spie, von Blitzen durchzuckte Aschewolken den Himmel verfinsterten und sich Ströme glühender Lava über die weite Ebene zum Meer hin wälzten. Es war sicher das, was einem Weltuntergang am nächsten kam.

Der Himmel hat sich schnell bezogen und es fallen nun sogar einige Tropfen. Bin ständig von lästigen Fliegen begleitet. Zwischen Lavafeld und dem Hangfuß des Varmáfell schlängelt sich die Piste nach Nordosten. Vom Hang rechts kommen immer wieder kleine Bäche. Um die Wasserversorgung, in den porösen Lavagebieten immmer ein kritisches Thema, brauche ich mir keine Sorgen zu machen. Der Laki, mir direkt voraus, ist ein ziemlich beeidruckender Berg und meine Füße melden schon vorsorglich leichte Bedenken hinsichtlich eines drohenden Abendspaziergangs an. Endlich erreiche ich das von rechts kommende Tal der Varmá. Ich verlasse die Piste und folge dem Bach um eine Ecke herum in einen kleinen Taleinschnitt.

Varmá
Ein diskreter Zeltplatz, nahe am Bach, ist schnell gefunden. Das Kartenbild hat mich nicht getäuscht. Diesen Platz hatte ich auch mit dem Ranger abgesprochen. Aufgebaut, Stiefel ausgezogen, Füße massiert und ein kurze Nickerchen zum Geräusch der auf das gespannte Zelt ploppenden Mücken. Geweckt werde ich schließlich von einem anderen Geräuch und das ist nun eindeutig Regen. Da wird es wohl nichts mit dem Abendspaziergang. Zum Abendessen gibt es eine Asia-Snack-Suppe und das verbleibende Viertel einer Packung Kartoffeleintopf - da ist mir doch gestern zu viel aus der Tüte in den Topf gerutscht. Muß sorgfältiger portionieren. Im Schlafsack liegend an den Aufzeichnungen. Es plätschert noch immer auf das Zelt. Werde früh schlafen. Mal sehen, was der morgige Tag bringt.


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