14. Tag, Strútslaug - Hvanngil

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Copyright © Dieter Graser

Mittwoch, 24. Juli 2002


Das Zelt ist morgens nebelnaß. Die Sicht ist gut. Keine wesentliche Veränderung des Wetters, nur daß der Wind etwas nachgelassen hat. Aufbruch auf die Sekunde Punkt 8:00 Uhr. Heute stehen die 20 Kilometer über den MŠlifellssandur bis zur Hvanngil an.

MŠlifell
Der Weg ist erst mal nicht zu verfehlen - denke ich zumindest. Nach einem guten Kilometer zweigt eine Fahrspur steil nach rechts den Hang hinauf ab. Das entspricht der Darstellung in der Karte und auch die Spuren der beiden Wanderer von gestern gehen da hinauf. Schnell (und wie es sich herausstellt vorschnell) entscheide ich mich für diesen Weg. Nach einer Weile wundere ich mich, daß ich nur ältere Hufspuren und die Spuren von den zwei Wanderern finde. Unten in den Hólmsárbotnar fand ich die Spuren ganzer Gruppen, die da durchgewandert waren. Von oben habe ich etwas Überblick und kann erkennen, daß der Pfad nach der Abzweigung wieder deutlich zu erkennen ist und gerade weiterverläuft. Nun gut, auf dem ganz falschen Weg bin ich ja nicht, also gehe ich weiter. Die alte Fahrspur gönnt sich ein paar weite Ausholer um einige kleine Taleinschnitte zu vermeiden. Meine Versuche abzukürzen bringen wenig und sind kraftraubend. Eines bin ich mir sicher, dies ist nicht der übliche Wanderweg und ich Depp beginne den Tag gleich mit ein paar zussätzlichen Trainingseinheiten. Wenigstens habe ich einen schönen Blick vom Skóltuklif auf den MŠlifell, die charakteristische Landmarke im MŠlifellssandur. Nach zwei Stunden bin ich schließlich am offiziellen Pistenende am Fuße des Strútur. Bis hierher kann man von der Fjallabak Sy­ri mit dem Geländewagen fahren. Hier wurde sogar ein Toilettenhäuschen aufgestellt. Gleichzeitig mit mir kommt ein Geländebus von Fjallabak Travel an. Ich unterhalte mich mit den Fahrer, der mir bestätigt, daß ich an der Abzweigung der Fahrspuhr geradeaus hätte weitergehen sollen.

Ve­urháls
Das war also der nicht ganz so gelungene Auftackt des Tages. Als nächstes gilt es eine günstigen Übergang über den Höhenrücken Ve­urháls zu finden. Laut der neuen Karte von Mál und Menning zweigt 3 km weiter südlich der Wanderweg von der Piste ab um den Ve­urháls zu an einer niederen Stelle zu queren. Jósef gab mir den Hinweis, daß manche auch gleich hier den Höhenrücken queren, um auf direktem Weg zum Südende der Malaralda zu gehen. Auch hier möchte ich lieber den logischeren Weg gehen, und das ist der direkte und kürzere. Zuerst führt die Piste noch etwa einen Kilometer nach Westen, direkt auf den Ve­urháls zu. Ich habe also Zeit mir den von Rinnen und Schluchten durchzogenen Hang anzuschauen und eine Aufstiegsroute zu suchen.

(Hier am Ausgang der Schlucht Króksgil wurde dann im Oktober 2002 vom Wanderverein Útivist eine neue Hütte errichtet.)

Ich verlasse die Piste und furte den Brennivínkvísl, der trotz seines Namens auch nur Wasser führt. "Schnapsfluß" ist zumindest ein orgineller Name für einen Bach. Vielleicht ist dieser auch nur auf ein historische Besäufnis an seinen Ufern zurückzuführen. Möglicherweise wird der Bach aber erst in seinem Unterlauf so genannt und heißt hier vielleicht nur Króksgilskvísl. Auf der andern Seite, am Fuß des Ve­urháls, bietet sich entweder die linke oder die rechte Seite einer Schlucht zum Aufstieg an. Mir scheint die rechte (nördliche) Seite gangbarer und richtig, dort entdecke ich eine, wenn auch undeutliche, Pfadspur. Nach dem Furten reißt mir erst mal der Schuhbändel und wieder einmal bewährt sich: nie ohne Reserveschuhbändel! Der Aufstieg ist steil aber recht schnell geschafft. Ich kann zwar den Spuren von meinen Vorgängern folgen, nehme aber ab nun den ganzen Tag über fleißig GPS Wegpunkte der Route auf. Der Abstieg in den weiten, flachen Talboden der Hrútagil ist weniger steil und einfacher.

MŠlifellssandur
Dann geht es über die ebenen Sandflächen des MŠlifellssandur dahin. Im Westen steigt der weite Sléttjökull ansatzlos aus der schwarzen Sandwüste auf. Die Piste F210, die Fjallabak Sy­ri, verläuft etwa 1,5 km südlich des Weges. Während der nächsten 3 Stunden bemerke ich dort nur 3 Fahrzeuge. Diese ziehen lange Staubfahnen hinter sich her. Mein Weg bleibt am Nordrand des MŠlifellssandur und ist durch die Spuren vorangegangener Gruppen und nun auch durch Pferdespuren gut erkennbar. Außerdem führt er an markanten, topographischen Punkten vorbei. Er hangelt sich dabei von einem Ausläufer der Vorberge des Torfajökull zum nächsten. Er geht über Ve­urháls, Malaralda, Skiptingaalda, Móhella und Einstiegsfjall schließlich zum Paß zwischen Rö­ull und Útigönguhö­i in das Tal der Hvanngil. Am Südende der Malaralda mache ich Mittagspause. Auf dem Weg zu den Móhella komme ich an zwei Steinwarten vorbei. Die verwitterten Felsformationen der Móhella sind auffallend genug, um als Landmarken zu dienen. Dann folgt die Querung des Tales des Kaldaklofskvísl. Das Tal ist sumpfig und wird mehreren flachen Flußarmen durchzogen. Ich gehe etwa einen Kilometer nur in den Watsandalen. Schöner Blick nach Norden auf den Torfajökull und den Skerinef. Allerdings bräuchte es etwas mehr Sonne um die bunten Hänge zum Leuchten zu bringen. Es ist bewölkt, ab und zu nieselt etwas, aber zu meinem Glück habe ich nur wenig Wind aus Südwest. Wenn es hier weht - und hier weht es gern - dann ist eine Wanderung über den MŠlifellssandur sicher kein Zuckerschlecken.

Mřrdalsjökull
Am Einstigsfjall wird nördlich des Berges ein kleiner Paß gequert. Unter einem Felsturm ist ein winziges Gemäuer ohne Dach aufgeschichtet. Es würde zumindest einen Windschutz bieten, wenn man ihn braucht. Eine Mahnung, daß ich mir meines Wetterglücks bewußt sein sollte. Die Sicht zu dem Paß über die Hvanngilshnausar ist durch den Klotz des Rö­ull verdeckt. Erst wenn man um die Bergsporn biegt, sieht man den Übergang. Eine letzte Anstrengung und auf der Paßhöhe findet man Holzpflöcke, die einen Wanderweg in der Umgebung der Hvanngil Hütte markieren. Die letzten 1,5 Kilometer zur Hütte geht es über flache Moos- und Wiesenböden des Tales der Hvanngil hinaus. Auffallend die vielen Höhlen und die wilden Felsformationen auf linken Talseite.

Hvanngil
Um 16:45 Uhr baue ich mein Zelt im "Lavagarten" der Hütte auf. Die berühmten, extra aus Hella angekarrten, Rasensoden sind in den letzten Jahren plattgezeltet worden, aber man hat immer noch die von Lavamäuerchen geschützten Plätze. Ich bin ab jetzt für zwei Tage auf dem beliebten Laugavegur unterwegs und entsprechend gut besucht ist die Hütte. Bei der Hüttenwartin erfahre ich, daß die Hütte Hvanngil seit diesem Juni nicht mehr der Gemeinde Hella sondern nun dem Fer­afélag Íslands gehört. Schwatze noch ein wenig mit den Nachbarn, aber dann vertreibt uns der einsetzende Regen in die Zelte. Frühes Abendessen. Später döse einmal über den Aufzeichnungen ein - bin recht müde.


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