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10. Tag, Žingvellir - Laugarvatn

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Copyright © Dieter Graser

Dienstag, 17. Juli 2001


Während der Nacht immer wieder Regen. Auch beim Zusammenpacken nieselt es leicht. Aufbruch erst um 8:45 Uhr. Nehme direkt vom Zeltplatz aus den Wanderweg, der quer durch den Žingvallaskógur führt. Der Weg ist gut ausgepflockt und abwechslungsreich. Die locker stehenden Birken erreichen etwa 2 m Höhe und ragen manchmal mit ihrem nassen Laub in den schmalen Weg. An der Ostseite des Grabenbruches von Žingvellir gibt es sogar einen richtig dichten Wald mit etwa 10 m hohen Fichten und Tannen. Jenseits der breiten Bruchspalte Hrafnagjá erreiche ich die Straße und biege dann Richtung Laugarvatn auf die Straße 365 ab.

Andauernder Nieselregen und Südostwind. Zu Beginn ist die Straße noch asphaltiert, dann folgt festgefahrener Schotter. Ein paar Radler kommen mit Rückenwind den Berg heruntergeschossen. Später finde ich am Straßenrand eine schöne Radkartentasche samt Inhalt und deponiere sie gut sichtbar auf einem Stein ein paar Meter abseits der Straße. Der lange Anstieg über das Karhraun weckt Erinnerungen an meine erste Islandtour vor neun Jahren. Vor allem der 14% Abstieg zu den Laugarvatnshellir, an dem ich mir die Füße kaputt gemacht habe, da ich meine Schuhe viel zu locker gebunden hatte. Auf der folgenden Hochfläche Laugarvatnsvellir liefere ich mir die nächsten drei Stunden ein Rennen mit einer Baumaschine, die die Piste frisch abhobelt. Bis zum Laugarvatn begegnen wir uns viermal und der Fahrer hebt zum Schluß anerkennend den Daumen. Der lange Abstieg ist wieder eine Tortur für die Fußsohlen. Erbarmunslos schiebt das Rucksackgewicht. Ich tröste mich damit, indem ich meinem Zustand an dieser Stelle auf meiner ersten Tour gedenke. Ich hatte an meinem ersten Tag die Strecke total unterschätzt, zudem meine Schuhe nicht richtig gebunden und bin dann mit schmerzenden Zehen den Berg heruntergekrochen - ich wäre am liebsten rückwärts gegangen - mein Gott, war ich fertig!

Das Wetter heute? Es hat nur einmal geregnet: vom Anfang bis zum Ende. Keine Sintflut, aber immer schön, mal mehr, mal weniger. Etwa 20 -30 Busse kamen mir entgegen. Ich bin auf der Standardroute "Žingvellir - Geysir - Gullfos" - die sogenannten "Perlen des Südens". Die Busse haben alle jeweils ein Schild (z.B. "MS Arkona 8") mit dem Veranstalternamen oder dem Reisetitel hinter der Windschutzscheibe, damit sich die Schäfchen nicht verlaufen und in den falschen Bus setzen. Als ich bei einem Bus "Island zu Fuß entdecken ..." lese, muß ich doch lauthals lachen. Weniger lustig fand ich die Autofahrer, die mir in bester Absicht soweit auswichen, daß sie genau in die Pfützen fuhren und ich die Brühe bis ins Gesicht bekam.

Am Zeltplatz am Laugarvatn die nassen Sachen im Zelt verstaut und mir erst mal was zum Essen gekocht. Danach einen guten Kilometer zurückspaziert, zum "natürlice dampfbad", dem Gufudaš direkt am See. Ein herrlich entspannende, wenn auch ziemlich heiße Dampfsauna. Zum Abkühlen geht man in den durch die heißen Quellen nicht allzu kühlen See, oder einfach barfuß über die regennassen Wiesen. Den Zwischengang legt man mit einem Bad im Whirlpool ein. Die ganze Anlage ist etwas angegammelt, aber familiär und sympatisch. Im Zeltplatzrestaurant mit zwei Leichtbier den Saunadurst gelöscht.


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