Zurück zu Inhalt

15. Tag, Sandá - Lambafellsver

Inhalt Home

Copyright © Dieter Graser

Sonntag, 22. Juli 2001


Die Sonne weckt mich schon vor 6:00 Uhr. Ein paar niedere Morgenwolken hängen um die Gipfel der Jarlhettur. Aufbruch um 7:50 Uhr!

Abzweig Fremstaver
Habe die Piste für mich alleine. Am ausgeschilderten Abzweig zur Hütte Fremstaver verlasse ich die Kjölurpiste und nehme die Variante, die dem alten Reitweg entspricht, der östlich den Bláfell bis zum Hvítárvatn umgeht. Es ist das letzte, mir noch fehlende Teilstück, des alten Kjalvegur. Die Nebenpiste quert zweimal den selben Bach. Über die erste Furt kann ich mich noch hinüberschummeln, die zweite muß ich furten. Ebenso geht es mir an der schon bedeutenderen Grjótá. Es ist ein prächtiger Morgen, sonnig, angenehm warm und ein leichter Nordostwind hält mir die Mücken (zumeist wenigstens) vom Leibe. Kurz vor 11:00 Uhr erreiche ich die Hütte Fremstaver am Fuße des Bláfell. Zwei isländische Familien zelten auf der üppigen Wiese um die Hütte. Werde sogar zum Kaffe eingeladen - nei takk - ich will noch weiter.

Hütte Fremstaver
Inspiziere kurz die subere und freundliche Hütte. Das Haus betritt man über einen Vorraum in dem sich nasse Kleidung trocknen läßt und in dem man obliagtorisch die Schuhe abstellen kann. Es gibt 16 Stockbetten in zwei Schlafräumen und ein Lager unter dem Dach. Im großen hellen Aufenthaltsraum gibt es einen Gasherd. Die Übernachtung kostet hier 1000 Kronen. Aus dem Hüttenbuch geht hervor, daß hier hauptsächlich Reitergruppen übernachten.

Hinter der Hütte, einer schwachen Fahrspur folgend, den Hang hinauf. Wieder etwas absteigend treffe ich schließlich auf den Reitweg. Immer am Osthang des Bláfell entlang ist dieser Reitweg oft sehr steinig und unerwartet mühsam zu gehen. Bei der grasigen Verebnung Mišver mache ich Mittagspause. Am Nachmittag bedeckt sich der Himel und der Wind läßt nach. In den tiefen, erdigen Pferdespuren werden die "kleinen grauen Freunde" zur Qual - sie stechen selten aber sie nerven, nerven und nerven! Immer wieder versuchen sie in Nase, Ohren und Augen zu fliegen. Hatte ich mir nicht fest vorgenommen ein Mückennetz mitzunehmen? Quere die Schluchten Illagil und Snišbjargargil. Erster Blick nach Norden auf die noch besonnten Kerlingarfjöll. Jenseits der Hvítá, die hier in einer breiten Basaltschlucht fließt, erkenne ich die Hütte Svínárnes - die letztjährige Tour läßt grüßen! Von der Hvítá rudert eine einzelne riesige Möve herauf und beschimpft mich, weite Kreise ziehend, während der nächsten halben Stunde auf unflätigste Weise.

Bin gut in Form, aber die Füße fangen an zu schmerzen und setzen das Limit. Langsam reicht es mir für heute. Die Mückenplage verstärkt sich und es fängt an zu tröpfeln. Gegen 15:30 Uhr erspähe ich einen Bach. Also jetzt nur noch einen flachen Platz in Zeltgröße (selten!) finden. Der Bach ist gar nicht so klein und führt viel klares Wasser, doch große Steine erleichtern das Hinüberkommen. Am anderen Ufer findet sich dann auch ein akzeptabler Zeltplatz. Mit einsetzendem Regen aufgebaut. Die Viecher umschwirren mich ganz narrisch - ihr Wetter! Noch Wasser geholt und dann rein ins Zelt, Schuhe aus und die Fußsohlen massiert.. Etwas Tee und Schokolade. Ach ja, einhundert Meter oberhalb steht die die alte Torfhütte Lambafellskófi. Habe sie erst gar nicht gesehen. Ging also heute alles genau wie geplant.

Lambafellskofi
Etwas geschlafen bis mich die Sonne wieder weckt. Zehn Minuten später erneut Regen. Es gibt Kartoffeleintopf zum Abendessen. Muß sein - auch wenn er mir nicht besonders schmeckt! Mich im Bach noch so einigermaßen gewaschen und dann die Torfhütte besichtigt. Sie ist recht gut in Schuß: ein winziges Fensterchen im Nordgiebel, eine neue Tür. Innen ein Podest mit Erd und Moosauflage, einige Teelichter und eine alte Thermoskanne. Mehr ist in der Dunkelheit nicht zu erkennen.


Zurück zu Inhalt
nächster Tag