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26. Tag, Nżidalur - Snappadalur

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Copyright © Dieter Graser

Donnerstag, 2. August 2001


Brauche lange zum Packen. Der Rucksack ist wieder sehr schwer aber nicht übervoll. Das übrige Material geht bei nächster Gelegenheit per Bus nach Akureyri. Das Wetter ist durchwachsen. Es ist bedeckt und bläst ordentlich aus Nord. Trage mich noch ins Hüttenbuch ein. Vom 16. Juli finde ich einen Eintrag von Peter Lupke, es ist der Holländer, von dem mir Jóhan schon erzählt hat. Nun, da ich den Namen lese, erinnere ich an unseren E-Mail-Kontakt. Er ist mit seiner Frau zu Fuß nach Norden unterwegs, allerdings schreibt er nicht auf welcher Route.

Um 8:30 Uhr mache ich mich auf den Weg Richtung Göngubrún. Erst zur Piste des "Flugplatzes" und umgehe damit den ersten Berg des Höhenzuges auf der Südseite des Jökuldalurs um dann leicht ansteigend den zweiten Berg anzugehen. Einen Weg gibt es nicht, erst oben am Grat findet man von Zeit zu Zeit ein kleine Markierung - mal eine kleine Warte, mal ein kurzer Pflock. Der Rucksack hat wieder gut über 30 kg und Anstieg ist sehr steil. Bei der Planung der Tour hatte ich diese Tagesetappe wegen ihrem langen, weglosen Anstieg zum Göngubrún als die anstrengenste angesehen. Ich lasse es langsam angehen. Noch bevor ich den langgezogenen Grat erreiche, ziehe ich den Anorak über und tausche Kappe gegen Mütze, denn hier oben ist es, wie auch zu erwarten war, ziemlich stürmisch. Manchmal gelingt es mir , durch geschicktes aufkreuzen, mich vom Rückenwind den Hang hinaufschieben zu lassen. Klingt einfach, aber es ist ein steter Kampf mit dem Gleichgewicht. Im Lee des breiten Gratrückens gönne ich mir ein paar Ruheminuten. Im schwierigen Schlußanstieg muß ich nach Norden und habe nun vollen Gegenwind. Die Route geht schräg einen steilen Hang hinauf. Grobes Blockwerk, Gesteinsschutt, tiefe Gräben und alte Schneefelder verlangen Trittsicherheit. Die letzten, steilen Höhenmeter geht es durch und über metergroße Blöcke zum Paß auf 1150 m.

Göngubrún
Der Aufstieg hat viel Zeit und noch mehr Kraft gekostet. Mit Blick zurück nehme ich Abschied vom Hofsjökull, vor mir liegt die Báršarbunga, die höchste Erhebung des Vatnajökulls. Von Norden her treibt der Sturm Sandfahnen durch die Vonarskarš. Mein Entschluß reift heute nur noch bis in das direkt unter mir liegende Snappadalur abzusteigen und damit die zwei langen meist weglosen Etappen bis zur Hitulaug auf drei kürzere zu verteilen. Dann kann ich mir bei dieser Gelegenheit die heißen Quellen des Snappadalur auch etwas genauer ansehen. Der Schweizer (den ich bei Hámżrar getroffen hatte) erzählte mir in Nżidalur, daß sie im Snappadalur einen Bach zu einem Hot Pot aufgestaut hätten. Na, das wäre doch ein Ziel für heute!

Steige entlang meiner Aufstiegsroute vom Sommer 2000 ab. Im Tal angekommen deponiere ich meinen Rucksack und mache mich auf die Suche. Ich kann aber beim besten Willen keinen Bach entdecken, der genug warmes Wasser führen würde, daß man es zum Baden nutzen könnte. Ich habe jeden Bach inspiziert, aber: Fehlanzeige! Ein Bach mit zwei schönen, richtig heißen Quellen liefert einfach zu wenig Wasser (weniger als 1 l/s). Das reicht gerade mal für ein Fußbad. Wo die Schweizer gebadet hatten bleibt mir ein Rätsel. Dafür finde ich ein schöne, moosige und windgeschützte Stelle für das Zelt. Nutze das Wasser der heißen Quelle um zu Kochen - es schwefelt allerdings etwas.

Nach dem Abendessn etwas gelesen und noch einen Spaziergang unternommen. Noch einmal ohne Erfolg die Bäche untersucht. Aufzeichnungen. Von hier zur Hitulaug sind es 34 km. Ich werde also mein morgiges Tagesziel an den letzten Bach, den Stakkfellslękur, verlegen. Das macht morgen 16 km und übermorgen 18 km - so wird es vernünftig. Der Wind scheint schwächer geworden zu sein.


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