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28. Tag, Staklękur - Hitulaug

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Copyright © Dieter Graser

Samstag, 4. August 2001.


Kein Wecker, heute steht nur eine kurze Tagesetappe an. Um 7:00 Uhr kurzer Blick nach draußen. Windig, Regen, keine Sicht auf die Berge - also noch ein wenig weiterschlafen. Im Laufe des Vormittags steigt die Wolkendecke und längere Regenpausen stellen sich ein.

Windkanter
Punkt 12:00 Uhr breche ich auf. Der Anorak ist noch naß und darf am Körper trocknen. Nach einer halben Stunde wird mir die Regenhose zu warm und ich baue das erste mal um. Natürlich fängt es kurz darauf wieder an zu drizzeln. Na was soll's! Neben der Piste Prachtexemplare von Windkantern. Die Blöcke sind alle von Süden, also von der hinter mir liegenden Vonarskarš her, sandgestrahlt. Passiere die Wegpunkte an den Schildern "Gjósta" und "Gallandi". Schließlich schwenke ich auf die Gęsavatnaleiš Piste ein. Wenige Kilometer vor der Brücke über die Skjálfandafljót laden schöne Sitzsteine zu einer Rast ein. Ein paar Geländewagen kommen vorbei - es ist "Verslunamannahelgi", das berüchtigte lange, erste Wochenende im August. Ganz Island ist unterwegs. Noch mal Stop an der Brücke über die Skjálfandafljót. In der Basaltwand der Schlucht entspringen aus den Klüften einige Quellen. Eine von ihnen sendet wie ein Springbrunnen einen fingerdicken Strahl im 45 Grad Winkel nach oben in die Luft. Versuche ein paar Photos und freue mich über die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

An der Abzweigung, direkt nach der Brücke, nehme ich die Piste F910 Dyngjufjallaleiš, nach Norden. Nach zwei Kilometern biegt ein Fahrspur nach Nordwesten ab. Hier verlasse ich die Hauptpiste und halte nach GPS und Kompasskurs auf die 3 Kilometer entfernte Hitulaug ("Heißes Bad") zu. Die Fahrspur führt zwar auch dorthin macht aber einen Umweg bergauf, um einige oberhalb der Hitulaug gelegene Quellbäche zu vermeiden. Sie führen kam Wasser, aber zu Fuß bedarf es einiger Vorsicht nicht zu versumpfen. Der Kurs führt in spitzem Winkel hinunter zur Skjálfandafljót. Die aus der Karte entnommenen Koordinaten stimmen nicht ganz genau, aber die Quelle ist einfach zu finden: der einzige richtig grüne Fleck im weiten Umkreis.

Hitulaug
Die warme Quelle sorgt für geradezu üppigen Pflanzenwuchs. So bietet sich auch ein schöner kleiner Platz für mein Zelt an. Aufgebaut und ab in den großen Pool. Na ja, also richtig heiß ist die Hitulaug ja nicht, höchstens 30°C und das auch nur direkt am Einlauf. Im Wasser ist es ganz angenehm, aber der Saunaeffekt stellt sich nicht ein. Man speichert keine Wärme und der Wind kühlt einen, beim Verlassen des Bades, sofort aus. Nach Bad und Abendessen mache ich noch einen Spaziergang zum Fluß und hole an einem kleinen Seitenbach noch kaltes Trinkwasser. Dann noch ein ausgiebiges Bad unter abendlichen Sonnenstrahlen. Habe jetzt einen schönen Blick zurück auf die leuchtenden Eisbrüche der Bášarbunga im Süden. Nach dem Bad schnell in den Schlafsack gekrochen. Schreibe noch im Reisetagebuch.

Bin schon so halb am wegdämmern, da höre ein einzelnes Fahrzeug kommen - oh nein! Ich weiß nicht was die Leute machen, aber permanentes Türenschlagen und der Motor läuft und läuft und läuft ... Nach etwa 20 Minuten platzt mir der Kragen. Ich fühle mich um meinen verdienten Schlaf betrogen, ziehe mich an und stiefle zu den Neuankömmlingen. Nach einer kurzen frostigen Begrüßung platze ich heraus "Can't you stop that bloody motor?" - Oh jeh, das war keine Meisterleistung an Diplomatie, aber Himmel, war ich zornig. Der Familienvater entgegnet mir auch gleich, daß ich mich nicht gerade höflich aufgeführen würde. Ich versuche etwas die Wogen zu glätten. Seine Frau schaltet auch gleich den Motor des Allradbusses ab. Sie hätten nicht damit gerechnet, daß jemand in dem Zelt sei, schließlich sei ja kein Fahrzeug zu sehen gewesen. Isländische Logik - grummelnd verziehe ich mich wieder in mein Zelt. Ach ja, es ist mal wieder "Verslunamannahelgi", da ist Ruhestörung garantiert.


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