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Vorwort

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Darf's mal ein bißchen mehr sein?

Bei den Vorbereitungen zu meiner Sprengisandur Tour 1996 hat das Gebiet südöstlich des Hofsjökulls, die Žjórsárver, meine Interesse geweckt. Irgendwann wollte ich dieses abgelegene und schlecht zugängliche Gebiet einmal besuchen. Im Sommer 1999 machte ich, im Anschluß an meine Tour zum Westrand des Vatnajkull, von Nordosten kommend, einen ersten Versuch, kam aber nicht über die Hochwasser führenden Žjórsárkvíslar. Im Sommer 2000 versuchte ich es von Südwesten her, aber der Anblick des vom Heklaausbruch des Winters mit schwarzer Vulkanasche bedeckten Eises des Hofsjökulls, ließ mich befürchten, daß in diesem Sommer erst recht viel Schmelzwasser zu erwarten wäre und änderte meine Pläne. Was lag also näher als für den Sommer 2001 eben diese Pläne wieder herauszuziehen. Der Kern der Tour stand damit fest: von den Kerlingarfjöll über die Žjórsárver nach Nżidalur. Zeitbedarf etwa eine Woche. Nun, eine Woche war mir zu kurz und die Verlängerung von Nżidalur über die Vonarskraš zum Mżvatn war naheliegend und paßte als schöne Ergänzung zu meiner '99er Tour. Fehlte noch der Anlauf. Am Geysir bin ich letztes Jahr gestartet und dann östlich der Hvítá zu den Kerlingarfjöll gewandert. Von Žingvellir aus, wie bei meiner allerersten Tour?

KarteRoutenverlauf
Warum dann nicht gleich von Reykjavík aus, oder noch besser von Keflavík? Ein ziemlich verrückte Idee, aber der Blick auf die Islandkarte zeigte mir genau das, was ich immer suche: eine schöne, logische Wegführung. Und diese Linie ging schräg durch Island und ließ sich sogar noch bis zur Ásbyrgi verlängern. Mehr ist für mich in 6 Wochen Urlaub nicht zu machen. Mein Plan enthielt zwar Ruhetage aber diesmal keine Reservetage. Je nach Tourenverlauf würde ich eben bis Ásbyrgi (600 km) gehen oder vorher in Nżidalur(400 km) oder am Mżvatn (500 km) abbrechen. Der Startpunkt der Tour, der Leuchtturm Reykjanesvíti war fest, das Ende war offen und würde sich ergeben.

Verpflegung für insgesamt 40 Tage mußte an 4 Orten deponiert werden. Das Einrichten der Depots, beziehungsweise das Verschicken der Futterpackete per Bus vom Busterminal BSÍ in Reykjavík, klappte zum ersten Mal nicht wie gewohnt. Mein Packet für die mögliche, letzte Etappe vom Mżvatn zur Ásbyrgi kam entweder nie in Reykjahlíš an, oder ging dort in den fünf Wochen Wartezeit "verloren". Der Schaden war nicht groß, denn meine Tour war sowieso am Mżvatn zu Ende.

Im Prinzip verlief alles wie geplant. Vor allem die Durchquerung der Žjórsárver war phantastisch. Nachdem ich mir 3 Tage Rückstand eingehandelt hatte kam der Weiterweg zur Ásbyrgi nicht mehr in Frage und so peilte ich als Endpunkt die Ringstraße am Mżvatn an, die ich dann 33 Tage nach meinem Aufbruch vom Leuchtturm Reykjanesviti erreichte.

Der Reykjavegur

Auf dieser Tour war der Reykjavegur war eine Überraschung im positiven Sinne. So interessant und auch anspruchsvoll hatte ich ihn mir nicht vorgestellt. Wenn man mal von den Punkten absieht, wo der Weg belebte Gebiete berührt (Bláa Lóniš, Kaldársel, Bláfjöll, Ringstraße, Žingvallavatn)m traf ich in den 8 Tagen nur einen Wanderer der auf einer mehrtägigen Tour unterwegs und vier die auf Tagestour waren. Diese Route kann man wahrhaftig nicht als überlaufen bezeichnen. Der Reykjavegur hat mich von einer beginnenden "Highlander"-Arroganz bewahrt mit der ich versucht war diese haupstadtnahe Tour vorzubeurteilen. Das Schöne ist, daß man eben nie auslernt! Aus diesem Grund möchte ich den Reykjavegur hier als eigenständigen Tourenbericht vorlegen.

Zur Vorbereitung der Tour konnte ich eigentlich nur auf Erik Van de Perres Trekkingführer Island (siehe: Literatur: Wander, Trekkingführer )zurückgreifen, der die Route von Nesbúš bis Reykjanesvíti beschreibt. Die im Buch abgebildete Übersichtskarte gibt nur den groben Routenverlauf an. Man muß auf das Kartenblatt 1:100 000 Sušvesturland zurückgreifen und sich an Hand der Beschreibung im Text den (wahrscheinlichen) Verlauf der Route eintragen. Van de Perre schreibt "Die markierte Route verläuft meist - trotz der relativen Nähe dichtbesiedelter Gebiete - durch hochlandähnliche Wildnis. Sie ist allerdings eine Wanderroute mitten im Aufbau, was impliziert, daß z. B. geplante Wanderhütten erst nach und nach errichtet werden". Diese Sätze kann man nur unterstreichen. Die beiden erwähnten Hütten am Žorbjörn und am Djúpavatn waren verschlossen und nicht zugänglich. Auch waren an beiden die sanitären Anlagen nicht angeschlossen oder abesperrt. Die anderen erwähnten Hütten an den Bláfjöll und im Sleggjubeinsdalur sind Skihütten und diese sind im Sommer ebenso geschlossen. Ohne Zelt ist die Tour also nicht zu machen. Das größte Problem auf der Route ist der Wassermangel und man tut gut daran sich darauf einzustellen.

Trotz seiner Nähe zu Reykjavík, oder gerade deshalb, wird der Reykjavegur wohl selten am Stück begangen. Der Wanderverein Útvist bot die Tour 2001 in sieben über den Sommer verteilten Einzeletappen an. Der Routenverlauf ist im allgemeinen gut markiert. Nur am Hengill weicht die ausgepflockete Route offensichtlich von der Beschreibung v. d Perres ab. Möglicherweise gibt es hier 2 Varianten, eine südlich und eine nördlich um das Massiv herum.


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Anreise - Reykjavík, Grindavík